Denken Frauen anders als Männer?

Speedtour Bundeskunsthalle 

Am Mittwoch, 27. April, fand in der Bundeskunsthalle Bonn im Rahmen der "Wednesday Late Art" in Kooperation mit dem DZNE eine Speedtour statt: Dr. Meta Miriam Bönniger, Epidemiologin und Psychologin der Rheinland Studie am DZNE Bonn betrachtete ausgewählte Exponate der aktuellen Ausstellung "Das Gehirn. In Kunst und Wissenschaft" vor dem Hintergrund ihrer Forschungsergebnisse aus der Rheinland Studie.

 

Dr. Meta Bönniger bei ihrem Vortrag in der Bundeskunsthalle
Dr. Bönniger bei ihrem Vortrag in der Bundeskunsthalle. Quelle: Oliver Wagner

Pünktlich um 18:45 Uhr am Mittwochabend drängten sich bei der „Wednesday Late Art“ knapp 50 Interessierte um Dr. Bönniger, um in Ihrem Vortrag „Denken Frauen anders als Männer“1 mehr über die Vorgänge im menschlichen Gehirn zu erfahren. Der Vortrag fand im Rahmen der aktuellen Ausstellung "Das Gehirn. In Kunst und Wissenschaft" der Bundeskunsthalle Bonn statt. Bei der in fünf Grundfragen aufgeteilten Ausstellung treffen Hirnforschung und Werke aus Kunst und Kulturgeschichte aufeinander, um das menschliche Gehirn zu erkunden und besser verstehen zu lernen.

Da sich Dr. Bönniger zum Großteil mit der Messung von sogenannten kognitiven, also geistigen, Fähigkeiten beschäftigt, bezog sich ihr Vortrag auf den zweiten Teil der Ausstellung. Dieser beschäftigt sich mit der Frage „Wie stelle ich mir die Vorgänge im Gehirn vor?“ Hierbei werden in der Bundeskunsthalle sowohl wissenschaftliche als auch künstlerische Auffassungen der Vorgänge und Arbeitsweisen im Gehirn dargestellt.
 

„Denken Frauen anders als Männer?“

Die Ausstellung selbst inspirierte Dr. Bönniger zum dem provokanten Titel „Denken Frauen anders als Männer?“ Auf vier unterschiedlichen Bildern werden Personen gezeigt, die (Nach)denken. Zwei von ihnen zeigen Männer, zwei zeigen Frauen. Bei Betrachtung der Bilder fällt auf, dass die beiden Frauen anders dargestellt werden als die Männer: Die Frauen wirken ein wenig verträumt, während die Männer angestrengt nachdenkend dargestellt werden. Betrachtet man die Bilder im direkten Vergleich, entsteht der Eindruck, dass Kunstschaffende unterschiedliche Bilder im Kopf haben, wenn sie denkende Personen verschiedenen biologischen Geschlechts darstellen. Mit dieser herausfordernden Fragestellung beginnend greift Dr. Bönniger in Ihrem Vortrag ein polarisierendes Thema auf, das sowohl Kultur und Gesellschaft als auch die Wissenschaft immer wieder beschäftigt.
 

Die Rheinland Studie

Allgemein können Unterschiede im Denken erfasst werden, indem Personen Aufgaben lösen und die unterschiedlichen Ergebnisse dieser Aufgaben systematisch gemessen werden. Um im Rahmen des Vortrags festzustellen, ob es beim Denken von Personen unterschiedlichen Geschlechts systematische Unterschiede gibt, hat Dr. Bönniger Daten aus der Rheinland Studie mitgebracht. Die Rheinland Studie ist eine sogenannte epidemiologische Populationsstudie. Seit ca. sechs Jahren werden hierfür Personen ab 30 Jahren in den beiden Untersuchungszentren in Bonn-Beuel und Bonn-Duisdorf untersucht. Das Ziel der Studie ist, neue Ansätze für die Prävention und Therapie von neurodegenerativen Erkrankungen zu finden. Aus diesem Grund wird im Rahmen der Studie unter anderem auch die kognitive Leistung gemessen. In den Tests müssen sich Teilnehmende beispielsweise Wörter oder Zahlenfolgen merken und nach einiger Zeit wiedergeben.
 

Personen unterschiedlichen Geschlechts zeigen jeweils
vergleichbar gute Leistungen

Um die Fragestellung des Vortrags zu beantworten hat sich Dr. Bönniger gezielt die Kognitionstests des aktuellen Studiensatzes von 5.000 Teilnehmenden angesehen. Um die Daten zu veranschaulichen zeigt Dr. Bönniger zu allen Tests verschiedene Grafiken, die belegen, dass die Tests kein eindeutiges Ergebnis liefern: teilweise schneidet das eine Geschlecht bei Aufgaben besser ab – teilweise das andere. Bei zwei weiteren Tests – dem für die Steuerung von Denken und Handeln sowie dem für die Aufnahme von neuen Informationen – sind gar keine Unterschiede zwischen verschiedenen Geschlechtern zu erkennen. Dr. Bönniger fasst zusammen, dass auch die teilweise gefundenen Unterschiede keinen großen Einfluss auf die Gesamtkognitionsleistung haben. Personen unterschiedlichen Geschlechts zeigen jeweils vergleichbar gute Leistungen. Letztendlich deuten selbst kleinen Unterschiede in den einzelnen Tests nicht eindeutig auf unterschiedliches Denken zwischen verschiedenen Geschlechtern hin – auch andere Faktoren wir beispielsweise Genetik oder Hormone könnten dafür verantwortlich sein. Um dies herauszufinden arbeiten Forscherinnen und Forscher weiterhin an der Entschlüsselung eines der faszinierendsten Rätsel des menschlichen Körpers: dem Gehirn.

1 Unter Berücksichtigung aller Geschlechtsidentitäten soll der überspitzt formulierte Titel keine Personen ausschließen. Die Bezeichnungen „Mann“ oder „Frau“ in diesem Artikel beziehen sich auf eine Zweiteilung der Bevölkerung nach dem biologischen Geschlecht. 

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